Andalusischer Frühling auf dem Rennrad

Andalusischer Frühling auf dem Rennrad

Andalusischer Frühling auf dem Rennrad 2048 1536 Udo

Die Spanier sind komplett verrückt. Eigentlich sind wir nach Malaga gereist, um einfach nur bei frühlingshaften Temperaturen Rad zu fahren und abends gemütlich in der Stadt zu schlemmen. Andalusien mit dem Rennrad!

Die fordernden Anstiege des Hinterlandes

Radeln, essen, schlafen, und das alles bei bestem Wetter – so der ursprüngliche Plan. Nun dürfen wir auch noch ein Stück spanische Lebensfreude in die Motivationskette einbauen. Klasse. Natürlich hat das seinen Preis: Die langen Nächte, die eigentlich der Regeneration dienen sollen, sind ziemlich kurz und verlangen uns Sportlern mindestens genauso viel mentale Stärke ab wie die fordernden Anstiege des Hinterlandes. Der gemeine Andalusier neigt eben zur maßlosen Übertreibung, wenn es um das feiern von großen Festen in der Öffentlichkeit geht.

Die Stadt ist komplett illuminiert und die Massen drängen sich trunken vor Freude mit oder ohne Kostüm dicht an dicht von Kneipe zu Kneipe. Und ich kann euch sagen, in Malaga gibt es sehr viele Kneipen. Mit dem Schlafen ist es deswegen so eine Sache … der ohnehin schon laute Spanier, ist in diesen närrischen Zeiten noch ein bisschen lauter als er es eigentlich sein müsste. Und irgendwann geht er nach Hause und das nahe an unseren einfach verglasten Fenstern vorbei.

Manche Rampen sind deutlich über 20%

Trotzdem ist es schön, endlich wieder die Sonne am Himmel zu sehen und das Gefühl von Wärme auf der Haut zu spüren. Bei hervorragenden Bedingungen lassen wir es deshalb ordentlich krachen, vornehmlich im bergigen Hinterland, wo es kaum Verkehr gibt und die Wiesen noch viel grüner sind als in den Küstenregionen. Der liebliche Anblick der Landschaft täuscht allerdings über die Anstrengungen hinweg, die uns die oft sehr steilen Straßen bescheren. Manche Rampen sind deutlich über 20% steil, insbesondere dann, wenn uns der vom Computer gebaute Track über Nebenstraßen führt, die an kleinen ländlichen Anwesen vorbei führen, an deren Zäunen kläffende Hunde die einzigen Radsportfans der Umgebung zu sein scheinen.

Uns hängen die Zungen mindestens genau so weit aus dem Hals wie den armen Tieren selbst.

Wenn sich unsere Vorderräder leicht von der buckligen Straße abheben und unser erbärmliches Keuchen selbst die Köter für einen Moment zurückschrecken lässt, scheinen wir etwas mit ihnen gemeinsam zu haben: Uns hängen die Zungen mindestens genau so weit aus dem Hals wie den armen Tieren selbst. Die Hunde würden sich noch viel dichter an uns heran machen, wenn sie denn nur könnten. Genau das treibt uns vornehmlich an, es ist nicht die so plötzlich schwindende Muskelkraft beim Anblick der grauen Betonwände vor uns. Es ist auch diesen Gründen unbedingt geraten, sich auf den Hauptstraßen des Landes zu bewegen, auch wenn man dabei ab und an auf verschiedensten Autobahnauffahrten steht oder mit lehmverklebten Radschuhen feststellen muss, dass auf der Karte eingezeichnete Straßen in der Realität einfach nicht mehr existieren.

Ortskenntnisse sind in Malaga unbedingt notwendig

Ortskenntnisse sind in Malaga unbedingt notwendig, will man irgendwann das wunderbare Hinterland erreichen. Ist der Kopf dann endlich frei und die Bereitschaft vorhanden, eben auch die körperlichen Anstrengungen des Rennradfahrens stoisch zu ertragen, können wir uns für den Moment nichts Besseres vorstellen, als genau da zu sein, wo wir gerade sind. Adrenalin und Serotonin (ich lese gerade das gleichnamige Buch von Michel Houellebecq) werden vermehrt ausgeschüttet und geben dem Leben endlich wieder einen Sinn, den Sinn, nach dem wir uns in den grauen verregneten Wintertagen lange gesehnt haben.

Nach sechs Tagen Training haben wir ordentlich Kilometer und noch mehr Höhenmeter bewältigt

Nach sechs Tagen Training haben wir ordentlich Kilometer (630) und noch mehr Höhenmeter (10 000) bewältigt, viele Bars besucht und Tapas ohne Ende verdrückt; Cafe solo oder Cafe con leche, Cola con or sin sugare, Aqua minerale con or sin gas, Cervesa con or sin %, getrunken; alles war im Überfluss dabei – und auch nötig, um die arg dezimierten biologischenen Verluste aller Art einigermaßen auszugleichen. Nur den mangelnden Schlaf (trotz Ohrstöpseln) tragen wir als kleines Handicap mit uns herum.

Am letzten Tag haben wir bei sommerlichen Temperaturen noch einmal das wunderbare Strandfeeling genossen, bevor es zurück in die verregnete Heimat ging. Wir bringen die Sonne mit, zumindest tragen wir sie in unseren Herzen. Die Erinnerungen bleiben, und nur die leichte Bräune auf Gesicht und Beinen wird wahrscheinlich zügig verblassen. Macht aber nichts, wir kommen garantiert wieder.

Hinterlasse eine Antwort

Ride On

Wenn du mitfahren möchtest, du Fragen zum RSC hast oder uns einfach nur was sagen willst …

Ja, ich bin mit der Datenschutzerklärung einverstanden.
Back to top
Datenschutzeinstellungen

Wenn du diese Website besuchst werden möglicherweise Informationen von deinem Browser gespeichert und an Dritte übermittelt. Du kannst hier Cookies blockieren. Das könnte dazu führen, dass einige Funktionen und die Darstellung dieser Website sich verändert.

Click to enable/disable Google Analytics tracking code.
Click to enable/disable Google Fonts.
Click to enable/disable Google Maps.
Click to enable/disable video embeds.
Diese Website verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmst du der Verwendung von Cookies zu.